Slowakei, Kapusany

2005

Ort

Haus

Wohnung

Personen

 

 

Fotos

Text

Kapušany, Landkreis Prešov, Region Šariš, Slowakische 
Republik, 2200 Einwohner
zweigeschossiges Einfamilienhaus, Baujahr 1993, Eigentum
195 m2
Jozef (48), Unternehmer in eigener Familienfirma 
Melánia (45), Unternehmerin in eigener Familienfirma
Jaroslav (23), Student 
Eva (21), Studentin 
Jana (18), Studentin
Paula Zvolen
Jaroslav Corba

Unter der Woche leben nur die Eltern Jozef und Melánia im Einfamilienhaus in Kapušany. Sie besitzen eine eigene Firma für besondere Arten von Teppichböden. Die Firma befindet sich ungefähr zehn Kilometer vom Haus entfernt. Der Sohn Jaro und die beiden Töchter Eva und Jana studieren in anderen Städten und wohnen dort im Wohnheim. Ausserdem leben bei der Familie noch zwei Hauskatzen, die jedoch keine spezifischen Namen haben.

Die Arbeit in seinem kleinen Familienunternehmen nimmt die meiste Zeit von Jozef in Anspruch. In seiner Freizeit kümmert er sich um die kleinen Arbeiten am Haus und im Garten. Jozef liest regelmässig die Tageszeitung «SME» (WIR). Seine Frau arbeitet mit ihm gemeinsam in der Firma. Sie kocht sehr gern und liest am liebsten die Frauenzeitschrift Burda. 

Jaroslav ist Student für Möbeldesign an der Technischen Universität in Zvolen. Am liebsten beschäftigt er sich in seiner Freizeit mit Computergrafik und allem, was damit zusammenhängt.

Eva studiert Medizin und löst leidenschaftlich gern Kreuzworträtsel, um sich von ihrem anstrengenden Studium zu entspannen. Jana, die jüngste Tochter, kocht ebenso gern wie ihre Mutter und sieht in ihrer Freizeit gern fern. 


Die Familie nimmt ihre Mahlzeiten im Speisezimmer ein, das direkt mit der Küche verbunden ist. Nur selten essen alle Familienmitglieder gemeinsam. Meistens finden sie sich jedoch an den Sonntagen um 11.30 Uhr zum Mittagessen zusammen. 

Manchmal, besonders an den Wochenenden, sehen sie sich einen guten Film an. Ansonsten haben sie jedoch keine gemeinsamen Hobbys, sondern jeder lebt sein Privatleben. 

Einen Lieblingsplatz konnte die Familie nicht benennen. Ihre Gäste empfängt sie in den kühlen Jahreszeiten im Wohnzimmer und im Sommer auch im Garten, wo sich ein gemütlicher Grillplatz befindet. 

Sie sind sehr froh, ein Haus zu haben, das gross genug ist, damit jedes Familienmitglied genügend Platz und Privatsphäre hat. Sie haben das Haus selbst gebaut und eingerichtet und sind daher sehr zufrieden mit ihrem Heim.

Vor 15 Jahren sah das Haus völlig anders aus. Es war viel kleiner, denn es hatte damals nur ein Stockwerk. Inzwischen wurde es jedoch komplett umgebaut, hat nun zwei Etagen und somit genügend Platz für die fünfköpfige Familie.

Die Eltern empfanden ihr Leben vor 15 Jahren weniger hektisch und viel regelmässiger als heute, was sie auf das Alter ihrer Kinder und ihre damaligen Berufe zurück-
führen.

Der grösste Wunsch der Eltern ist es, in Ruhe ihr Alter in ihrem eigenen Haus geniessen zu können. 

 

Für die Kinder spielt bei den Zukunftswünschen hauptsächlich die Wohnqualität eine Rolle. Wo sie später einmal leben wollen, wissen sie noch nicht. Dazu ist es noch zu früh.

2017

Ort

Haus

Wohnung

Personen

Fotos

Text

Kapušany, Landkreis Prešov, Region Šariš, Slowakische 
Republik, 2200 Einwohner
zweigeschossiges Einfamilienhaus, Baujahr 1993, Eigentum
8 Zimmer, 195 m2, (inkl. Anbau), plus Wintergarten 30 m2
Melánia (57), Unternehmerin in eigener Familienfirma 
Jozef (60), Unternehmer in eigener Familienfirma
Vladimir Holina
Hana Chvílová

Im grossen Einfamilienhaus wohnen seit letztem Herbst (2017) nur noch die Eltern, Jozef und Melánia. Die Grosseltern, die noch vor zwölf Jahren im erdgeschossigen Anbau gewohnt haben, leben nicht mehr. Noch bis Ende Sommer wohnte der Sohn Jaroslav, seine Gattin und die zwei kleinen Kinder im inzwischen teilweise neu eingerichteten Anbau. Die junge Familie hat sich aber für einen bequemeren Alltag in einer Siedlung im grösseren Poprad entschieden. 

Melánia und Jozef sind erwerbstätig und immer noch voll in der Familienfirma eingespannt (Schreiner- und Zimmermannsarbeiten). Sie verlassen das Haus um 6 Uhr in der Früh und kehren erst gegen 16 Uhr wieder zurück. Die Firma, gegründet 1994, das heisst nur fünf Jahre nach «der Wende», beschäftigt bis zu zehn Mitarbeiter und ist stabil und erfolgreich in einem Landkreis, der schon während Jahren die höchste Arbeitslosigkeit innerhalb der Slowakei aufweist. Die Firma liefert professionelle Produkte und Dienstleistungen an Kunden in der ganzen Slowakei sowie im Ausland, obwohl die unvollendete Autobahnverbindung mit Bratislava ein Thema ist, das jeder kennt.

Nach dem Arbeitstag in der Firma warten auf Melánia und Jozef am späten Nachmittag das Haus und der Garten mit eigenem Obst und Gemüse. Der Garten gehört auch den beiden frei herumlaufenden Katzen. Gegessen wird während der Arbeitswoche nur am Abend gemeinsam, an den Wochenenden auch am Mittag – am grossen Esstisch in der Küche.

Im Sommer, wenn die Familien der Kinder zu Besuch sind, wird auch im Wintergarten aufgetischt: Dann wird gegrillt, oder Jaro bäckt eine Pizza. Dort, im letzten Anbau, bei der alten Bank und gegenüber dem neuen Kaminofen mit integrierter kleiner Rauchkammer, ist Jozefs Lieblingsecke. Das Kochen und Essen ist bei beiden nach wie vor eine beliebte Freizeitbeschäftigung: Jozef zeigt stolz auf den grossen Topf mit der kochenden Hühnersuppe und auf den Speck in der Räucherkammer, der wirklich top ist. Seit er ein Tablet hat, surft er auch im Internet und schaut sich Seiten bezüglich Garten und Züchterei an, sieht und liest Nachrichten und telefoniert mit den Enkelkindern. Melánia näht nicht mehr wie früher, aber sie studiert Kochzeitschriften und probiert gerne neue, einfache Rezepte aus.

An den Wochenenden kommen oft die Kinder und Enkelkinder zu Besuch. Im grossen Haus ist für alle genug Platz. Die ehemaligen Kinderzimmer im Obergeschoss sowie der Anbau, den die Grosseltern bewohnten, wurden für die jungen Familien angepasst.

Sonst hat sich an der Inneneinrichtung des Hauses in den zwölf Jahren nur wenig geändert: Im Wohnzimmer gegenüber demselben Fernseher steht eine sympathische und offensichtlich angenehmere Eckcouch, deren Holzgestell aus eigener Herstellung stammt; auf demselben Parkettboden ist ein weicher Teppich in dezenten Farben dazugekommen.

Nun sehen die beiden den Meilenstein des Rentenalters vor sich: Ein kleines, höher gelegenes Haus mit eigenem Brunnen, einer Kuh und vielen Hühnern sowie Enten sieht jetzt für die Eltern/Grosseltern verlockend aus.

2005

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Der Kontakt zur Holzfachschule Zvolen in der Mittelslowakei kam 2005 durch den Verein MitOst zustande. In der Ausbildung der Studierenden, die an unserem Projekt teilnahmen, spielte das Bauen und Wohnen eine wichtige Rolle. Auf Anregung und unter Anleitung ihrer Deutschlehrerinnen dokumentierten sie ihre eigenen Wohnsituationen – ob nun im Elternhaus oder im Studentenheim. 

Zvolen ist eine Kleinstadt in einem waldreichen Gebiet mit entsprechender Handwerkstradition in der Holzverarbeitung. Die Studierenden kamen für das Studium an der Fachschule aus der ganzen Slowakei zusammen, oft aus Familien mit eigenen holzverarbeitenden Betrieben. So auch Jaroslav, der damals die Wohnsituation seiner Eltern und Geschwister in Kapušany dokumentierte. Kapušany liegt im Osten der Slowakischen Republik in der Nähe der Stadt Prešov. Die kleine Gemeinde wurde im Jahr 1248 gegründet und ist ihrer Burg wegen eine bekannte Touristenattraktion. 

Zwölf Jahre später fungierte Jaroslav erneut als «Türöffner». Er konnte seine Schwestern und Eltern dafür gewinnen, beim Projekt mitzumachen und die Dokumentalisten zu empfangen. Die ehemaligen Studierenden der Schule sind heute mit ihren unternehmerischen Tätigkeiten und Familienverantwortung zeitlich stark ausgelastet. Deshalb entschieden wir uns, für den Wiederbesuch die Tochter einer Freundin aus Bratislava anzufragen. Hana Chvílová war aufgrund ihrer Deutschkenntnisse viele Jahre als Personalbetreuerin in Grossfirmen tätig gewesen. Sie hatte Zeit und Interesse, mit dem Fotografen Vladimir Holina durch das Land zu reisen und die Wohnsituationen in nun vier verschiedenen Orten zu dokumentieren.